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DU&ICH Oktober/November 2011: Ich bin bisexuell!
Drei Prozent der Männer, vier Prozent der Frauen sagen das von sich. Warum Bisexualität als Fluch und Segen gleichermaßen gilt
Seiten 22/23 aus dem aktuellen Heft, die Aufmacherseiten zum Report über BisexualitätIch bin bi. – Kaum ein Satz birgt einen solchen Sprengstoff. Wenn Sie auf einer Party für eine Aufmerksamkeit sorgen wollen, die zu sekundenlanger Stille führen kann, dann stoßen Sie einfach diese drei Wörter hervor. Am besten mit heiserer, geil-rauer Stimme. Es wird zweierlei passieren: Das Gros der Gäste wird sich mit Schaudern abwenden. Aber heimlich werden Sie Visitenkarten und Telefonnummern zugesteckt bekommen, jemand wird versuchen, Sie aufs nächste Klo zu zerren, und ein offenbar notgeiles Wesen – ob männlich, weiblich oder transgender – wird Ihnen direkt an die Hose gehen wollen. Sie werden sich fühlen wie der junge Helmut Berger (eigentlich: Steinberger), die unsterbliche Ikone aller Bisexuellen.
Doch statt Bewunderung und sogar Neid auf die vielseitig Begabten ist eigentlich auch Mitleid angebracht. Bisexuelle fühlen sich nicht selten innerlich völlig zerzaust, wie hin- und hergeflutet zwischen den Ufern. Der bisexuelle Kabarettist Kay Ray – der bürgerlich Kai Liedtke heißt – sagt es so: „Als Bisexueller befindet man sich eben nicht auf der Sonnenseite.“ Die Flucht in Drogenrausch und Alkoholismus sei nicht selten. Und sogar, wenn die diversen sexuellen Selbstfindungen und Selbstneuerfindungen ganz gut klappen, gelte: „Man ist immer ein bisschen zerrissen.“
Dabei ist die zweigeschlechtliche Anlage im Menschen durchaus nicht abartig. Rein biologisch spielt sie in der Evolution sogar eine große Rolle. Männer sind biologisch ebenso „Rest-Frauen“ – ihre Brustwarzen und ihr Prostata-Gewebe, das dem G-Punkt bei Frauen ähnelt, beweisen es –, wie Frauen „Rest-Männer“ sind. So ist die Klitoris ein rückgebildeter Penis, die Weibchen der Klammeraffen haben sogar einen länger beschwänzten Klitoriswuchs als die Pimmel ihrer Männchen. Das passt zu Platons Gleichnis im „Symposion“, laut dem die Menschen ursprünglich kugelrunde, perfekte, weil zugleich männliche und weibliche Wesen waren, bis der Neid der Götter sie in zwei Hälften teilte …
Der ganze Text von Titania Oberkopf findet sich in DU&ICH, Printausgabe Oktober/November 2011




