Reise
Teneriffa: eine sichere Bank in Sachen Urlaub
Die sehr spanisch geprägte schwule Szene auf der Insel ist vielfältig – da genießt man jeden Augenblick. Eine Stippvisite
(Foto: webtenerife.de)DU&ICH • Die Kanaren sind eine sichere Bank in Sachen Urlaub. Im Winter kann man hier der mitteleuropäischen Kälte entfliehen und im Sommer den Hundstagen. Denn auf dem spanischen Archipel nahe der afrikanischen Küste herrschen durchgehend angenehme subtropische 20 bis 27 Grad. Und oft weht eine leichte Brise. Es gibt Sonne satt und tolle Strände.
Wer nicht nur auf Gran Canaria in der schwulen Blase im Yumbo Centro von Playa del Inglés und in den Dünen abhängen, sondern auch spanisches Ambiente erleben möchte, für den ist Teneriffa, die andere Hauptinsel der Kanaren, genau das Richtige. Toleranz wird auf Teneriffa großgeschrieben. Anfang des Jahres brachten die Feuerwehrmänner der Insel einen sehr heißen Kalender im Stil des österreichischen Jungbauernkalenders heraus. Während des Karnevals gehen außergewöhnlich viele Heteromänner im Fummel.
Viel mehr als ein Rentnerparadies
In den letzten Jahren hat sich die oft noch als reines Rentnerparadies verschriene Vulkaninsel zum schwulen Geheimtipp gemausert. Neben Surf- und Badeurlaub bietet sie mit dem höchsten spanischen Berg Teide faszinierende Wanderrouten durch Lavafelsen, Drachenbaumhaine, Lorbeer- und Kiefernwälder und Bananenplantagen. Und man kann hier wunderbar ausgehen. Die schwule Infrastruktur ist flächig verteilt und in das Stadtleben integriert.
Zum Beispiel der Badeort Puerto de la Cruz im abenteuerlich zerklüfteten Norden der Insel: Hier gibt es eine quirlige Szene, die auch die Gays aus der Hauptstadt Santa Cruz am Wochenende anlockt. Fußnah kann man locker vier Dragshows hintereinander erleben. Danach reift die Erkenntnis, dass Pedro Almodóvar in seinen Filmen eigentlich nichts erfinden, sondern nur die Realität abbilden muss …
Die schönsten Drag-Queens findet man im Angelus. Von Donna-Summer-Doubles bis zur feurigen Salsa-Queen ist hier alles drin. Wenn die Stimmung auf dem Siedepunkt ist, ziehen sich hier die Kerle auch gerne mal kollektiv die T-Shirts aus. So geht Party!
Teide Nationalpark (Foto: webtenerife.de)Gleich neben dem Angelus ist der Club Despanto, der am Wochenende ziemlich trashige Showeinlagen bietet. Die Mädels geben mit Leidenschaft ihr Bestes. Im gleichen Haus ist der kleine familiäre Club Anderson, benannt nach der berühmtesten Transsexuellen Spaniens, Bibi Anderson, die in mehreren Almodóvar-Filmen mitspielte. Im gleichen Block öffnet auch das Vampis, der größte Gay-Club von Puerto de la Cruz, um Mitternacht seine Pforten.
Ätzend scharfen britischen Humor bringt der Travestieclub Majestic mit seinen Shows, die vor nichts Halt machen. Eine aus dem Leim geratene Cher in Ganzkörpernacktkostüm und Ledergeschirr muss genauso für eine aberwitzige Persiflage herhalten wie eine deutsche Dirndlmaus. Relativ früh für spanische Verhältnisse, um 21 Uhr, öffnet bereits die gemütliche Bar Tabasco, geführt von Frank, einem Dortmunder, und Alejandro, einem Kubaner. Die Einheimischen treffen sich gerne in der Bar Dominique, in der Nähe des alten Hafens gelegen und seit über 40 Jahren eine Institution. Wirt Enrique, ein Bild von einem spanischen Kerl, sorgt für entspannte Atmosphäre.
Doch nicht nur abends, auch tagsüber kommt man mit Gays in Puerto de la Cruz zusammen. An der zentralen Plaza del Charco, wo viele Restaurants für die Touristen liegen, gibt es eine gut frequentierte Klappe. Praktischerweise befindet sich daneben gleich das Café Dinámico, auf dessen Terrasse zu jeder Tageszeit einige Gays anzutreffen sind. Die Szene geht auch zum westlichen Stadtstrand Playa Jardín oder östlich vom Zentrum, in die Bucht der Playa Bollullo, wo es davor auf einer ehemaligen Bananenplantage ein Cruising-Gebiet gibt. Außerdem findet man in Puerto de la Cruz zwei Saunen, die kleine Laurent’s und Babylon, neu, schick und groß. Die Betreiber Daniel und Miguel haben hier die Sauna kreiert, die sie gerne selbst besuchen würden.
Neben dem Süden mit seinen Traumständen um Playa de Americas und der überraschend urbanen Hauptstadt Santa Cruz de Tenerife, in der nicht zuletzt der neue Club Cirkus die Besucher anzieht, sollte man unbedingt einen Abstecher nach La Laguna machen. Die in den Bergen gelegene ehemalige Inselhauptstadt mit ihrer als Unesco-Welterbe ausgewiesenen Altstadt hat einzigartige Stadtpaläste und Innenhöfe, die in diesem Stil eigentlich nur in Lateinamerika zu finden sind. La Laguna ist die Studentenstadt der Insel und hat deswegen auch mehrere Gay-Bars. Ein Ausflug lohnt sich auf jeden Fall, und per Straßenbahn kann man schnell nach Santa Cruz de Tenerife fahren.
Eckhard Weber
Infos
LGBT-Organisation: Asociación Algarabía, algarabiatfe.org
(Foto: webtenerife.de)



