Reise
Tel Aviv: Pulsierende Szene
Trotz oder wegen der geopolitischen Lage: Schwule Männer leben in Tel Aviv ein freizügiges, feierfreudiges Leben
Am Strand von Tel Aviv, Foto: Petros ProntisDU&ICH – Eigentlich bedeutet Tel Aviv „Hügel des Frühlings“, doch viel besser würde der Name „die gelobte Stadt“ passen. Denn die Stadt bietet alles, was das schwule Herz begehrt: neun Monate im Jahr Sommer (nur von Dezember bis Februar herrschen „eiskalte“ 10 Grad), 14 Kilometer Sandstrand, eine pulsierende Szene für alle Geschmäcker und ein Gefühl der grenzenlosen Freiheit, was an diesem Fleckchen Erde eigentlich unmöglich erscheint. Dazu bietet sich hier an, kulturelle Ausflüge nach Jerusalem, Caesarea, Eilat, Haifa oder zum Toten Meer zu unternehmen.
Fliegt man mit der staatlichen Fluggesellschaft El Al, muss man sich auf einige nervige Kontrollen und Interviewsituationen einstellen. Doch erst mal in Israel, wird man für diese Tortur belohnt: Nirgends auf der Welt sind die Männer hübscher als hier – und das ist nicht übertrieben formuliert. Dazu kommen das Klima und das rege Strandleben. In Tel Aviv findet alles draußen statt. Ein Spaziergang an der Strandpromenade entpuppt sich als reinste Cruisingtour: halbnackte joggende Kerle, Beachvolleyball spielende Jungs, schwimmende Jünglinge, so weit das Auge reicht.
Alle hier scheinen sehr körperbewusst und sportlich zu leben, ohne ihre Zeit in Fitnessbuden zu vergeuden. Natürlich ist das narzisstisch, aber so schön zu beobachten. So geht man freilich zum schwulen Strand direkt hinter dem Hilton Hotel, um zu sehen und gesehen zu werden. Hier tummeln sich täglich die Augenweiden der Stadt – vielleicht lässt sich hier ein heißes Date für den Abend vereinbaren. Aber auch Romantiker finden zum Strand: Den Sonnenuntergang bei einem kühlen Bier zu genießen gehört zu den Highlights des Tages. Das Skurrile ist dabei, dass knapp 200 Meter weiter abgeschirmt hinter Mauern die orthodoxen Juden baden. Wer es etwas freizügiger mag, fährt rund 30 Minuten nördlich zum Gaash-FKK-Strand.
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Foto: Petros ProntisAuch Tel Aviv ist eine Stadt, die niemals schläft. Die Tel-Aviver pflegen immer zu sagen, dass in Jerusalem gebetet werde, in Haifa gearbeitet und in Tel Aviv gefeiert. Man wird das Gefühl nicht los, dass vor allem die jungen Bewohner der erst grade 100 Jahre alten Stadt so intensiv leben, wie es nur geht. Und wenn diese Haltung auch westeuropäischen Schwulen bekannt vorkommt, sei an dieser Stelle gesagt, dass dies in diesem Fall seinen Ursprung eher in geopolitischen Gründen hat: Der andauernde Konflikt mit den Nachbarstaaten und die Gefahr von Selbstmordattentaten in der Vergangenheit haben dazu beigetragen, dass man lieber hier und heute leben möchte.
Und das tun sie! Die Stadt hat für ihre Größe von gerade mal 500.000 Einwohnern eine recht große Szene anzubieten mit zahlreichen Bars, Clubs, Partys und Saunen. Die Abende fangen traditionell in der ältesten schwulen Bar der Stadt an: Evita. Sie verfügt über eine große Terrasse und die wechselnden Partymotti sind bekannt und beliebt,besonders die Eurovisionsparty mit Livedarbeitungen. Die meisten Partys finden einmal in der Woche oder einmal im Monat statt und die meisten Locations liegen in den recht bewegten Straßen Rothschild, Shenkin und Dizengoff. Eine genaue Auflistung der monatlichen Events findet sich immer aktualisiert unter www.gaytlvguide.com
Petros Prontis

