Reise
Floripa: ganz viel schwules brasilianisches Flair!
Ein bisschen San Francisco, ein bisschen Rio: Florianopolis in Südbrasilien
Foto: Michael PrennerDU&ICH • Beim Einchecken im Hotel fragt uns der gebräunte Rezeptionist mit dem interessanten Augenaufschlag, ob wir – zwei Männer – ein Doppelbett wünschen. Eine Frage, die nicht in jedem Hotel – und in jeder Stadt – selbstverständlich ist. Nach dem Beziehen des Zimmers steigen wir in den Stadtbus – wo wir ein dröhnend lautes Gloria-Gaynor-Medley auf die Ohren bekommen, inklusive mitsingendem Busfahrer. Sind wir im Gay-Viertel von San Francisco? Falsch! Willkommen in Florianópolis – der Hauptstadt des südbrasilianischen Staates Santa Catarina. Denn genau wie die kalifornische Metropole ist die mit 400.000 Einwohnern für brasilianische Verhältnisse eher kleine Insel einfach verdammt schwul.
Die tolerante Inselstadt hat nicht nur Top-Strände, sondern auch eine Top-Szene – was sie zum Urlaubsziel Tausender schwuler Süd- und Nordamerikaner gemacht hat. In Europa hat sich das bisher kaum herumgesprochen. Nach Rio und São Paulo ist Floripa – wie es von seinen Einwohnern kurz und bündig genannt wird – die am häufigsten von Homosexuellen besuchte brasilianische Stadt. Kein Wunder also, dass sich die Travel-Agentur „Brazil Ecojourneys“ auf schwullesbische Klientel spezialisiert hat. „Die Mehrheit der bei uns buchenden Touristen kommt aus Nordamerika, aber seit dem letzten Jahr haben uns auch die Deutschen entdeckt“, sagt Inhaberin Marta Dalla Chiesa. Sie ist stolz auf ihr Homo-Eldorado: „Der prozentuale Anteil von Schwulen und Lesben ist in Floripa sehr hoch, ich vergleiche uns gerne mit San Francisco. Außerdem hat Floripa seine eigene Golden Gate Bridge, die uns mit dem Festland verbindet“, lacht sie. Die alte Hängebrücke „Hercílio Luz“ ist zwar für den Verkehr gesperrt, dient aber als Wahrzeichen der Skyline Floripas.
Schwuler Karneval in Florianopolis, Foto: Michael PrennerDie höchste Buchungsrate verzeichnet Marta während des Karnevals, des homosexuellsten Events des Jahres. Die Insel hat zu der Zeit genauso viele Besucher wie Einwohner. Im Zentrum von Florianópolis spielt sich dann nicht nur die schwule Straßenparty „Carnaval do Roma“ ab, sondern auch die Drag-Queen-Competition „Pop Gay“. Und am Strand Praia Mole tummeln sich Tausende von feiernden Männern, speziell in und vor der „Bar do Deca“. Die großen Gay-Clubs Brasiliens – wie z. B. São Paulos „The Week“ – beziehen während des Karnevals ihr Headquarter in der Nähe des schwulen Strandes und füllen riesige Open-Air-Flächen.
Neben dem Karneval sollte man sich eine zweite Woche rot im Kalender ankreuzen: Anfang September findet „Florianópolis Pride“ statt – eine ganze Woche voller Kultur- und Party-Events im Zeichen der Regenbogenflagge, die ihren Höhepunkt in der Parade findet. Auch das einzige schwule Sport-Event Brasiliens, die „Gay Games“, wird im Rahmen der Pride-Woche abgehalten.
Bar do Deca am schwulen Strand Praia Mole, Foto: Michael PrennerPraia Mole gilt auch außerhalb von Gay Pride und Karneval als der schwulste Strand südlich von Ipanema. Männer jeden Alters lassen hier die Sonne auf ihre trainierten Körper scheinen, während sie in knapp sitzenden Shorts vor der Bar do Deca Caipis schlürfen. Die Besucher des benachbarten Strandes Galheta verzichten beim Sonnenbaden komplett auf die neueste Bademode. Und man munkelt, dass es dort nicht immer ganz so gesittet zugeht ... Wer es ruhiger und naturverbundener mag, zieht dem schwulen Partytreiben von Praia Mole die sich über fünf Kilometer erstreckende Praia Campeche im Süden der Insel vor. Neben Surfern, Aussteigern und Hippies hat sich auch hier die schwule Community niedergelassen – an entsprechenden Unterkünften mangelt es jedenfalls nicht.
Neben den Gay Hot Spots bietet Florianópolis nämlich vor allem eines: Natur. Es ist durchaus möglich, hier einen ruhigen Urlaub jenseits des Jahrmarkts der Eitelkeiten zu verbringen – und sich in einsame Buchten zurückzuziehen.
Wer nicht auf Bars und Restaurants verzichten will, wohnt besser in der City, an der Brücke zur Insel. Beim Anblick der imposanten Skyline vermutet man kaum, dass man in kürzester Zeit an den schönsten Stränden relaxen kann. Ein sehr effizientes Bus-System verbindet das Zentrum Floripas mit Praia Mole, Campeche und vielen anderen, auch abgelegenen Orten der Insel. Mittelpunkt des überschaubaren historischen Zentrums bildet die Praça XV de Novembro mit der Kathedrale und dem 100 Jahre alten Feigenbaum. Auch das historische Museum aus dem 19. Jahrhundert sowie viele weitere koloniale Gebäude kann man hier bestaunen.
Ein bisschen San Francisco, ein bisschen Rio, ein bisschen Gran Canaria – und ganz viel brasilianisches Flair: In Floripa ist eben alles drin: was zum Spielen, was zum Naschen – und natürlich was Spannendes!
Michael Prenner
Infos:
Karneval ist in Floripa im Februar. Der nächste Gay Pride findet im September statt, das genaue Datum ist noch nicht bekannt.
Bars:
Jivago Lounge. Rua Leoberto Leal 4
Bar do Deca. Praia Mole.
Party:
Mix Café, Rua Menino Deus 47
Concorde, Av. Rio Branco 729
Sauna:
Termas Hangar, Rua Henrique Valgas 112
Restaurants:
Sushimasa. Av. Jornalista Rubens de Arruda Ramos 1990.
Churrascaria Floripana, Av. Jorn Rubens de Arruda Ramos 1210
Unterkunft:
Florianopolis Palace. Rua Artista Bittencourt 14. (Zentrum, häufig Angebote)
Praia Mole Eco Village, Rod. Jornalista Manoel de Menezes 2001.
Allgemeine Infos, Tagesausflüge etc. Brazil Ecojourneys, Tel. +55-48 32 32 92 70, Schwullesbische Reiseagentur, www.brazilecojourneys.com

