Reise
Schwules Holland jenseits von Amsterdam
Den Haag und Rotterdam haben viel zu bieten: Kunst, Kultur, Geschichte, ideale Shoppingmöglichkeiten und die Königsfamilie.
www.imagesofholland.comDU&ICH – Da hat man ihr Bild über die Jahre x-fach gesehen und natürlich den Film und dann das: Wie klein sie doch ist, das Mädchen mit dem Perlenohrring. Im Mauritshuis, der Königlichen Gemäldegalerie von Den Haag, ist die Begegnung möglich. Inmitten großformatiger Gemälde aus dem Goldenen Zeitalter – einer Hochzeit von Handel, Handwerk und Kunst in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts – geht das gerade mal DIN-A4-große Ölbild von Jan Vermeer (1632–1675) fast unter. Und doch umkreisen es Menschen aus aller Welt, die staunen, strahlen, lächeln. Den Haag ist Parlaments- und Regierungssitz sowie Königliche Residenz und die Kunststadt der Niederlande. In der Altstadt gibt es zahlreiche Galerien, die zeitgenössische Kunst aus aller Welt offerieren. Das kann sich von der Qualität her mit europäischen Kunstmetropolen messen. Die gesamte Altstadt ist ein Freiluftmuseum. Alles ist stilvoll und gepflegt, gediegen und adrett, königlich eben. Die historischen Bauten im Jugendstil sind bestens restauriert, die Straßen sind eng, die Tram nimmt hier viele gewagte Kurven. Mit der Straßenbahn kommt man übrigens bis in den Stadtteil Scheveningen mit Hafen, Seebrücke, Casino und wunderbarer Strandpromenade.
Jan Vermeer van Delft 1665, Das Mädchen mit dem PerlenohrringDie schwule Szene ist mini. Immerhin gibt es ein paar Vereinscafés, Bars und Kneipen, wo man unter sich ist, und etliche schwulenfreundliche Cafés. Es ist ratsam, sich vor der Reise online ein Bild zu machen, das geht auf den schwulen Seiten von www.gaydenhaag.nl. Den Haag ist nicht nur eine mondäne und doch lässige, sondern auch grüne Stadt. Und ja, auch ein Shoppingparadies. Trotz einiger überdachter Einkaufszentren haben viele kleine charmante Läden überlebt. Da lässt sich gut flanieren und stöbern. Antiquitätenfans dürfte hier wegen des exquisiten Angebots das Herz übergehen. Der Königliche Palast im Zentrum wirkt trotz berittener Wachen erstaunlich offen. Auch der Königliche Park ist frei zugänglich. Apropos Offenheit: Eins gibt es in Den Haag nicht – eine Stadtmauer. Die war über die Jahrhunderte hinweg einfach nicht nötig. Den Haag ist eben rundum ein Erlebnis der etwas anderen Art. „Es muss nicht immer Amsterdam sein“, sagen Einheimische.
Ähnliches lässt sich in Rotterdam erfahren, keine halbe Stunde per Zug entfernt, wie überhaupt alle Metropolen der Niederlande nah beieinander liegen. „Die höchste Konzentration von Kunst und Kultur pro Quadratkilometer“, wirbt deshalb treffend das Megaprojekt „Holland Art Cities“: Die zehn besten Museen aus Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag warten bis 2010 mit geballter Kunstkompetenz auf.
Rotterdam also: Auch die nach Amsterdam zweitgrößte Stadt des Landes ist Kunst- und Kulturmetropole und Einkaufsparadies in einem – und tickt doch anders als Den Haag. Rotterdam – ist quirliger, weitläufiger, dynamischer und lauter, vor allem moderner. Die Stadt wandelt sich ständig. Rotterdam ist innovativ, vielseitig, abwechslungsreich und nie fertig, irgendwo wird immer gebaut. Die Szene in Rotterdam ist größer als in Den Haag (was nicht verwundert). Es empfehlen sich zwölf Bars und Cafés sowie vier schwule Saunen. Mit dem „Gay Play“ gibt es auch einen Dance-Club mit Darkroom, Kino und allem Schnickschnack. Wer es geruhsamer mag, unternimmt eine Tour mit dem Fahrrad. Kundige Führer bringen einem ihre Stadt gekonnt per Anekdoten nahe.
Andreas Hergeth
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Informationen (auf Deutsch):
niederlande.de
denhaag.com
rotterdam.info
hollandartcities.com







