Du und Ich

Reise

Chic und lebenslustig: schwules Zürich

Hohe Lebensqualität, leider auch hohe Preise erwarten Touristen in Zürich

Zürich Foto: banart/pixelio.de

DU&ICH • Tradition und Moderne, die beide treffen in der Züricher Altstadt besonders charmant aufeinander. In den historischen Gebäuden haben sich in den letzten Jahren erfolgreich durchgestylte Bars, moderne Galerien und trendige Boutiquen etabliert. Auch die schwule Community ist im Herzen der Stadt zuhause. Auf nur wenigen Quadratmetern findet sich eine auffallend hohe Dichte an Gaybars, Clubs und Cafés. Und auch hier gilt: Tradition trifft Moderne.

Der Klassiker schlechthin ist der T&M- Club, der mit 20 Jahren der älteste Gay Club der Schweiz ist. Auf zwei Etagen mischt sich dort ein Publikum zwischen 16 und 55 Jahren. Während man im ersten Stock unter Kronleuchtern und Diskokugeln an der langen Bar trinkt oder zu Chartmusik und Schlagern im hinteren Bereich tanzt, dröhnt aus dem oberen Stock dumpfer Technobeat. Nebelschwaden hängen über der kleinen Tanzfläche, auf der sich nackte Oberkörper drängen. Die Hosen hängen hier leger auf den schmalen Hüften, der Altersdurchschnitt ist merklich niedriger als eine Treppe tiefer. „Ich wandere meistens zwischen den Etagen hin und her“, sagt Sergi, eine junge Dragqueen aus Luzern. Oft steht sie auch einfach auf der Treppe, um mit ihren Freundinnen zu quatschen. „Der T&M-Club war schon immer eine Anlaufstelle für Schwule aus der ganzen Schweiz“, erzählt sie, „viele hatten hier ihr Coming-out“. Ob auf der Tanzfläche oder im angeschlossenen Darkroom, dem größten der Schweiz, bleibt offen.

Foto: Zürich Tourismus

Derzeit besonders angesagt sind die monatlich stattfindenden „Jim-Partys“, die seit 2007 unter dem Motto „The Most Powerful Gay-Party in Town“ das schwule Partyvolk anziehen. Als Location konnten die Veranstalter den stilvollen Festsaal des „Kaufleuten“ gewinnen, Teil eines Gebäudekomplexes aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Der 350 Quadratmeter große Saal wurde restauriert und kommt jetzt mit großer Bühne, Lounge­elementen und einer langen Theke daher. Spätes­­tens um Mitternacht ist es dort brechend voll. Vor allem das jüngere Publikum trifft sich hier und feiert bis in die frühen Morgenstunden zu Trance-, House und Techno-Musik.

Dass die Schweiz teuer ist, zeigt sich leider auch auf den „Jim-Partys“: „7,50 Franken für ein Bier ist schon heftig“, stöhnt ein amerikanischer Student, der gerade ein Austauschjahr in der Stadt verbringt. Die anderen scheint es weniger zu stören, das Gedränge an der Bar ist groß, ebenso wie auf der riesigen Tanzfläche.
Bettina Hagen

Info: Zürich ist die größte Stadt der Schweiz, rund 380.000 Einwohner, das wichtigste wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum des Landes; laut einer Studie aus dem Jahr 2009 ist es die Stadt mit der weltweit zweithöchsten Lebens­qualität.

www.jimclub.com
www.tundm.ch

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