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Grandioser schwuler Comic: „Punkrock Heartland“

DU&ICH 5.9.2010 • Schwule Comics gibt es selten, noch viel seltener sind sie lesenswert – aber zu denen gehört „Punkrock Heartland“ eindeutig. Er erzählt die Geschichte von Bass, der sich unsterblich in seinen etwas älteren Punk-Kumpel Zottel verliebt. Der ist auch nicht ganz abgeneigt, kann sich dann aber nicht so recht entscheiden, weil er eine Freundin hat und die ein Kind von ihm will. Aus Verzweiflung baut Bass richtig Scheiße und muss ins Gefängnis, wo er seinen alten Freund Spike wiedertrifft und sich dann in Jannik verliebt. Irgendwann kommen alle wieder frei, und Bass trifft wieder auf Zottel, seine große Liebe … Das Ganze ist nicht geradlinig erzählt, die Geschichte baut sich erst nach und nach in Rückblenden auf. Die Charaktere sind rund, haben ihre Geschichte, ihre Stärken und Schwächen. Nach Angaben des Autors und Zeichners, des 29-jährigen Hamburgers Andi Lirium (natürlich ein Pseudonym), basiert alles auf wahren Vorbildern, aber nichts ist genau so geschehen.

Andi Lirium ist Absolvent der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften und pflegt einen souveränen Stil. Weniger Ligne à la Tim & Struppi, eher etwas krakeliger, aber vielleicht gerade deswegen auch ausdrucksstärker. Die Figuren sind vom Körperbau her ziemlich idealisiert, die Jungs sind schlank und muskulös, die Frauen geizen nicht mit üppigen Rundungen – aber im Gegensatz zu vielen anderen schwulen Comics geht es hier nicht darum, möglichst schnell schicke Körper beim Sex zu zeigen. Klar kommen auch erotische Situationen vor, immerhin ist es eine schwule Liebesgeschichte, aber eben nicht bei der ersten sich bietenden Gelegenheit und im Hauruckverfahren, sondern erst nach und nach. Diese Zurückhaltung zeichnet „Punkrock Heartland“ zusätzlich aus. Wer also mit Comics und Punk etwas anfangen kann – eine klare Empfehlung.
Malte Göbel
Andi Lirium | Punkrock Heartland | Männerschwarm








