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Guido Westerwelle weilte in China. Plötzlich wurde die Wahl zum „Mr. Gay China” verboten. Ein Nachbericht
Foto: www.guido-westerwelle.deDU&ICH 18.1.2010 • Der deutsche Außenminister ist in diesen Wochen viel unterwegs. Meist fliegt Guido Westerwelle allein – soll heißen: ohne seinen Mann Michael Mronz – um die Welt. Der kann, weil vielbeschäftigter Besitzer einer Sportmarketing-Agentur, nicht immer dabei sein. „Dazu habe ich einfach zu viel zu tun”, verriet Mronz der Berliner Zeitung.
In China war er aber dabei. Es war erst das dritte Mal nach Rom und Stockholm, dass der Lebenspartner des einzig offen schwulen Außenministers der Welt, mit auf Reisen gegangen war. Wie immer bei solchen Gelegenheiten, kommt auch Mronz in den Genuss dessen, was sonst als „Damenprogramm” betitelt wird – eine Art Rahmenprogramm für mitreisende Gattinnen. U. a. aß Herr Mronz mit Vertretern der deutschen Wirtschaft in Peking zu Mittag, um sich danach die Baustelle des chinesischen Nationalmuseums anzuschauen. Es darf als Achtungszeichen gegenüber einem Land und seiner Regierung gelten, das Homosexuelle nicht eben mit Glacéhandschuhen anfasst, dass Westerwelle ins Reiche der Mitte mit seinem Mann reiste.
Hat aber auch nicht viel genutzt. Als am Freitagabend Westerwelle, Mronz, Diplomaten und Geschäftsleute in einem edlen Pekinger Club Dinner hielten, verhinderten Polizisten in einer nahe gelegenen Bar die allererste Wahl zum „Mr. Gay Chinas”. Eben diese Wahl war nach Informationen der Berliner Zeitung Gesprächsthema innerhalb der Truppe um Westerwelle. Er und sein Lebenspartner waren als wahrscheinlich erstes schwules Paar bei einem Staatsbesuch immerhin von Chinas Premier Wen Jiabao höchstselbst begrüßt worden. Und nun das …
Homosexualität ist in China seit 1997 nicht mehr illigal, seit 2001 wird Schwulsein auch nicht mehr als eine „mentale Störung” eingestuft, in der Öffentlichkeit ist das Thema weiterhin tabuisiert. Merkwürdig an dem Vorgang um die Wahl zum „Mr. Gay China” ist, dass sie Veranstaltung von staatlichen Stellen unterstützt und von offiziellen Medien wohlwollend begleitet wurde, was viele Schwule Chinas überraschte. Doch die Freude sollte nur kurz wären. Eine Stunde vor Beginn wurde die Show wegen fadenscheiniger Formalitäten abgeblasen. Daran änderte auch der Besuchs Westerwelle leider nichts.
Andreas Hergeth




