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„Doc Love“: Schwuler Psychotherapeut in Nöten
Die erste deutsche schwule Webserie, mit Dieter Bach und Romy Haag in den Hauptrollen, ist seit Montag online, auch hier auf du-und-ich.net zu sehen

DU&ICH 12.2. • Berlin, Wilmersdorf, November 2009. Chaos in einer noblen Altbauwohnung in der Ludwigkirchstraße. Dort, wo eigentlich der Wohnungsinhaber, Serienproduzent Stefan Wieduwilt, schläft, haben sich die Mädels von Maske und Kostüm breitgemacht. Das Wohnzimmer wurde zur Praxis umfunktioniert und die Küche ist der einzige Ort, an den man sich für ein ruhiges Gespräch zurückziehen kann. Aber selbst bis hierher dringt die Anweisung von Regisseur Holger Schmidt: „Absolute Ruhe bitte, wir drehen!“ Es ist nicht zu übersehen: Hier arbeiten Filmleute, sie drehen die erste schwule Webserie Deutschlands, „Doc Love“.
„Es gab zwar bisher schon Webserien, aus dem Studentenmilieu beispielsweise, aber keine, in der es um schwule Inhalte geht“, sagt der Autor des Drehbuches, Martin Schacht. „Für uns ist es auf jeden Fall eine Möglichkeit, schwules Leben auch mal lustig und klischeefreier abzubilden, als das sonst im deutschen Fernsehen geschieht. Da sind Schwule doch meist entweder dick und lustig oder dünn und tragisch. Es muss ja auch noch was dazwischen geben.“
Er, der zuletzt mit seinem Buch „Die ewige Zielgruppe“ Aufmerksamkeit erregte, musste sich für „Doc Love“ erst einmal Gedanken um die Zielgruppe der Webserie machen: „Schwule und ihre beste Freundin sind unser Zielpublikum. Was wir da machen, nennen wir Dramady, also Drama und Comedy. Beim Schreiben habe ich an Serien gedacht wie Dr. House, Sex and the City oder auch Queer as Folk, eine Serie mit schwulen Inhalten, die sich ja auch nicht nur Schwule ansehen.“ Doc Love wird gespielt von Schauspieler Dieter Bach, serienerprobt beispielsweise in „In aller Freundschaft“ oder „Verliebt in Berlin“, aber auch zu sehen in der schwulen Tragikomödie „Zurück auf Los“: „Doc Love ist ein Psychotherapeut, der viele schwule Klienten hat. Er selbst aber fühlt sich in der Szene nicht wohl, lehnt schwule Klischees ab. Auf der anderen Seite muss er aber immer wieder in die schwule Clubkultur eintauchen, wenn er beispielsweise seinen Freund, einen Barkeeper, in dessen Laden besuchen will. Er ist also in sich selbst sehr zerrissen.“
Die wohl interessanteste Rolle der Serie übernahm Romy Haag. Sie ist die Sekretärin des Docs, zieht hinter den Kulissen die Fäden: „Zumindest versuche ich das, aber es gelingt mir nicht immer. Wenn der Doc beispielsweise mit Menschen zusammen ist, die mir nicht gefallen, sag ich ihm das, versuche das zu steuern. Mir ist es schließlich auch lieber, wenn junge hübsche Knaben bei ihm vorbeischauen, als wenn Frauen hinter ihm her sind und ihn fast stalken.“
Ganze zwölf Folgen soll die Serie haben, jede fünf Minuten lang. Alle Episoden werden als abgeschlossene Geschichten erzählt, man kann sich also auch die ein oder andere herauspicken, ohne die anderen kennen zu müssen. Wer wartet, bis er alle Folgen anklicken kann, der muss für das tragikomische Leben des Doc Love also nicht länger als eine Stunde einplanen.
Gunnar König
„Doc Love“, zu sehen hier auf du-und-ich.net und bei www.3min.de. Ab 15.2. werden zwei bis drei Folgen pro Woche neu veröffentlicht







