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Ausstellung über Harry Raymon (86) im Schwulen Museum Berlin
Harry Raymon auf Sylt (1964, Foto: Binette Schroeder)du-und-ich.net 31.1.2012 • Harry Raymon ist Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur und Autor – mit jüdischen Wurzeln. Und homosexuell. Eine Ausstellung im Berliner Schwulen Museum würdigt seine Biographie zwischen Exil, Kriegseinsatz als Soldat der US-Army und kreativem Künstlerdasein im Nachkriegsdeutschland. Über sein bewegtes Leben hat Harry Raymon einen autobiographischen Roman geschrieben: „Einmal Exil und zurück“ – so heißt denn auch die Ausstellung.
Geboren wurde er als Harry Heymann in Kirchberg im Hunsrück. Sein Vater besaß dort ein Textilgeschäft. Als 1933 die Repressalien gegen jüdische Bürger begannen, drängte Harrys Mutter auf Auswanderung. Die Familie emigrierte 1936 in die USA. Harry besuchte die Schule in New York und träumte von einer Kariere als Filmstar. Aber seine Eltern kauften eine Hühnerfarm in New Jersey. Nach dem High School Abschluss wurde er 1944 einberufen. Seine Aufgabe in der Army war die Befragung von Kriegsgefangenen. Nebenher besuchte er Kurse für Schauspiel, eine Fortbildungsmaßnahme der amerikanischen Armee in Frankreich für ihre Soldaten. Gastdozentin war Marlene Dietrich.
1948 kam Harry Raymon über Paris nach Stuttgart, wo er in der Musikhochschule Gesang studierte. Seine Eltern waren wenig begeistert, dass er ins Land der Täter zurückkehrte. Hier gründete er das Pantomimische Theater Die Gaukler – erfolgreich: Gastspiele in ganz Europa sollten bis 1955 folgen. Mit seinem Freund Wolfgang Parr versuchte er sich als Stückeschreiber. 1963 erschien das erste im Fischer-Verlag. 1982 wurde im Forum des jungen Films Harry Raymons erste Regiearbeit Regentropfen vorgestellt. Hier setzte er erstmals die Erfahrungen der Auswanderung seiner Familie künstlerisch um. Weitere Arbeiten als Schauspieler und Synchronsprecher folgten.
Harry musste erleben, dass er in der Bundesrepublik vorwiegend als Ausländer, besonders oft als Araber besetzt wurde. Die Schauspielkarriere kam ins Stocken. Der Job als Reiseleiter blieb vorübergehend, neue Engagements in Fernsehen, Theater und Werbung folgten. Schwules Leben zeigt sein Dokumentarfilm Im Glockenbachviertel von München, der 2007 entstand. Zwischendurch schreibt Harry Raymon Romane und Erzählungen – 2005 erscheint der autobiographische Roman Einmal Exil und zurück, der der Ausstellung den Titel gab.
(prefo)
Ausstellung:
Bis 1. Mai im Schwulen Museum Berlin sehen, alle Infos hier
Buch:
Einmal Exil und zurück. Autobiographischer Roman, Verlag Forum Homosexualität




