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Kultfilm kehrt zurück: „Taxi zum Klo" neu auf DVD
Neubetrachtung nach drei Jahrzehnten als bisher unveröffentlichte, vollständige Directors-Cut-Version ab 26. Oktober auf DVD und ab 4. November auch im Kino wieder möglich
DU&ICH 26.10.2010 • Drei schwule deutsche Filmklassiker entstanden zwischen dem Aufkeimen der Schwulenbewegung Anfang der 1970er-Jahre und dem Einbruch von Aids Mitte der 1980er: Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1970), Frank Ripplohs „Taxi zum Klo“ (1980) und Wieland Specks „Westler“ (1985). „Taxi zum Klo“, dessen überzeugender und entwaffnender Reiz in seiner großen Authentizität liegt, geht in der freizügigen Darstellung schwuler Sexualität dabei am weitesten.
Frank ist Lehrer an einer Grundschule, beliebt bei den Kindern und den Kollegen. Aber er führt ein Doppelleben: Tag und Nacht ist er in Berlin unterwegs auf der Suche nach schnellem, anonymem Sex. Das Leben auf der Überholspur wird zunächst etwas ruhiger, als er Bernd kennen lernt. Der Frühling der Liebe ist aber recht kurz, da die Lebensentwürfe der beiden Männer völlig unterschiedlich sind. Bernd träumt von trauter Häuslich- und Zweisamkeit, Frank will eine extrem „offene“ Beziehung. Der Konflikt spitzt sich zu und kommt bei einem der berühmten Berliner Tuntenbälle – Frank, alias Peggy, erscheint als exaltierte arabische Tänzerin, der verhuschte Bernd als biederer Matrose – zum Ausbruch. Eine Auszeit ist angesagt, und das Ende der Beziehung ist ungewiss, aber der offensiv agierende Frank outet sich zuvor noch in der Schule.
Zwar wurde „Taxi zum Klo“ 1981 in Österreich wegen der Darstellung gleichgeschlechtlicher Pornografie beschlagnahmt, aber dennoch avancierte der mit nur 100.000 DM gedrehte Film auch international schnell zum Kultfilm. Deutschlandweit waren die Kinos über Wochen hinweg ausverkauft. Es ist erstaunlich, dass ein im Grunde trauriger und schmerzhafter Film über die Sehnsucht nach einer Beziehung und ihre Unmöglichkeit dennoch auch eine Komödie voller Situationskomik, Unsentimentalität und Ironie ist, in der das schwule Milieu dieser Jahre jenseit jeglicher Idylle und der Anpassung an den bürgerlichen Mainstream dargestellt wird. Ripploh zeigt dabei beide Lebensvorstellungen als zwei Dead Ends. Das kleinbürgerliche Puppenheim Bernds ist so unrealistisch, verlogen und brüchig wie die pseudofreie, jegliche Verantwortung ablehnende Promiskuität Franks, in der man heute die krankhaften Züge des Sexaholic erkennen kann. „Taxi zum Klo“ ist ein wahrhaftiges Zeitdokument, das aber heute noch so frisch und verblüffend aktuell ist wie vor 30 Jahren.
Egbert Hörmann
Taxi zum Klo | D 1980 | auf DVD ab 26.10. bei Pro-Fun
Auf DVD ab 26.10. auf dem Markt






