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Lieber Leser, neulich debattierten wir in der
Redaktion ein Thema, das es nicht ins Blatt
schaffte. „Nicht sexy genug! Nicht massenkompatibel!“,
wurden wir uns schnell einig.
Worum es sich handelte? Um deutsche Vergangenheit.
Um schwule Geschichte.
Anlass unserer internen Diskussion war eine
Gedenkveranstaltung, die an ein schreckliches
Verbrechen vor 65 Jahren erinnerte: Im Zeitraum
von Juni bis August 1942 wurden fast alle
homosexuellen Häftlinge des Konzentrationslagers
Sachsenhausen in die Strafkolonie des
Klinkerwerks verlegt und systematisch ermordet.
Der einstige Lagerälteste Harry Naujoks
nennt eine Zahl von rund 200 Opfern dieser
Aktion. Nach allen Berichten erlagen die Häftlinge
mit dem Rosa Winkel immer besonders
schnell den Torturen der SS. Nur eine sehr kleine
Zahl der in Sachsenhausen zu dieser Zeit inhaftierten
Homosexuellen, fast an den Fingern
einer Hand abzuzählen, konnte der Mord aktion
entgehen. Dass es solche Berichte gibt, ist dem
Verein Katte e. V., Potsdam, dem Schwulen Museum
Berlin und nicht zuletzt Eberhard Zastrau,
Mitglied des Beirats der Stiftung Brandenburgische
Gedenkstätten, zu verdanken.
Am 27. Januar eines jeden Jahres wird bundesweit
aller Opfer gedacht, die in den deutschen
Konzentrationslagern den Tod fanden. Eine
Häftlingsgruppe steht jeweils im Mittelpunkt,
1999 war es erstmals die Gruppe der Männer
mit dem Rosa Winkel. 2000 folgte eine große
Ausstellung von Schwulem Museum und Förderverein
der KZ-Gedenkstätte – eine
Pionierleis tung, die peu à peu fortgesetzt wird:
Unter der Regie von Eberhard Zastrau werden
nach und nach immer mehr Beiträge zur Geschichte
der Verfolgung erstellt und im Internet
dokumentiert, wie übrigens auch die alljährliche
Gedenkveranstaltung, die sich jeweils einem
bestimmten Lagerbereich oder einem besonderen
Ereignis –wie in diesem Jahr der genannten
Mordaktion – widmet. Texte und Bilder sind
unter www.sachsenhausen.gedenk-ort.de einzusehen.
Okay, das alles ist nicht sexy, hat nichts mit
Lifestyle oder dem hippen Lebensgefühl aufgeschlossener
Großstadtschwuler zu tun. Doch
wir sind im Begriff, unsere Geschichte zu verlieren.
Deshalb ist es wichtig, dass es Menschen
gibt, die die Erinnerung wachhalten. Und
schwule Magazine, die das Thema ins Blatt
rücken – so wie hier gerade geschehen. Und
nicht nur einmal im Jahr.
Andreas Hergeth
post@du-und-ich.net |
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